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Zucht und Zuchtziel von Arabischen Reitpferden in der Historie: Hart, Härter...Araber! Betrachtet man das Zuchtziel der Orientalen in ihren alten Zuchtgebieten Nordarabiens nach der Nordwanderung der Stämme, findet man das Zuchtziel Militärpferd - ebenso wie in Tersk und im Hauptgestüt Trakehnen. Ein Zuchtziel, was nicht auf ein einziges Merkmal (z.B. Hochsprung) hin selektiert, sondern auf generelle Qualität eines Reitpferdes, was Schnelligkeit auf kurzen Strecken, Ausdauer auf Langstrecken, gutes Springvermögen (im normalen Rahmen) und vor allem Leichtrittigkeit, Arbeitswillen, Menschenbezogenheit, Härte und Genügsamkeit beinhaltet. Kurz gesagt, die Fähigkeit als Reitpferd möglichst viel Komfort und Haltbarkeit zu bieten und mit minimalen Ressourcen (zB. KF, Spezialbeschläge,TA Besuche!) auch unter Leistungsanforderungen gesund überleben zu können. Vielerorts in Europa war das Patentrezept zur Zucht eines solchen Pferdes, die Mischung aus robuster Landrasse mit englischem und arabischem Vollblut, je nach Zuchtgebiet in unterschiedlichen Mischungsverhältnissen. Nur das Beste für den Kaiser: Napoleon auf einem Araberpferd Was können Arabische Pferde heute noch bieten ? Ein orientalisch geprägtes Pferd ist etwas sehr Persönliches. Mit einer guten Ausbildung wird es mit seinem Reiter durch dick und dünn gehen und wie ein Hund zum absolut sicheren und unerschütterlichen Begleiter werden. Ebenso wie ein Hund sollte man so ein Pferd auch nicht wieder verkaufen, da es sehr personenbezogen werden kann und dann unter einem Besitzerwechseln leidet und bei dem neue Reiter sogar den Dienst verweigern kann. Dieses Phänomen liegt in der Sensibilität dieser Pferde begründet (vorausgesetzt sie werden in der Ausbildung nicht systematisch desensibilisiert), die sich auf winzige Nuancen im Ausdruck ihres Besitzers einstellen können und dann natürlich verwirrt sind, wenn sie einen anderen Besitzer/ Reiter nicht mehr verstehen. Arabische Pferde sind seit je her auf den Reitkomfort auch auf längeren Strecken gezüchtet. Dies beudeutet, dass  energiesparende, Reiterrücken-schonende und Pferdebeine- freundliche Gänge rassetypisch sind. Der “Retro- Trakehner”: Arabisch Partbred Typ Deutsches Reitpferd "Aber das gibt es doch schon längst" ist der erste Gedanke, der einem durch den Kopf geht, betrachtet man die (relativ neue) Rasse “Arabisch Partbred Typ Deutsches Reitpferd” (neuer Name seit 2018: Deutsches Edelblutpferd). Doch die traurige Wahrheit ist: Das GAB es schonmal und ist leider vielerorts verloren gegangen. Fast alle modernen Warmblutzuchten haben sich auf der Einkreuzung von arabischem Blut gegründet, doch mit den “neuen Zuchtzielen” werden Araber als Veredler heute in den deutschen Reitpferdezucht nicht mehr so gerne gesehen. Die Rasse “Arabisch Partbred Typ Deutsches Reitpferd” ist im Grunde das, was früher mal der Trakehner war: der Versuch, die guten Eigenschaften des Arabers (Leistungsbereitschaft, Sensibilität und Menschenbezogenheit) in der Reitpferdezucht zu erhalten und gleichzeitig die tendenziellen Schwächen des reinen Vollblutarabers (geringe Größe, Exterieurbedingte Einschränkungen bei Rittigkeit bzw. Versammlungsfähigkeit) zu kompensieren. Die angestrebte Größe (1,55 m - 1,65m) entspricht den Maßen des ursprünglichen Trakehnerpferdes: größer als der reine Araber, doch deutlich handlicher als moderne “Reit-Elche” - das Zuchtziel der Warmblutzuchtverbände. Die absolut praktische Idealgröße von um die 160 cm Stockmaß wird in den deutschen Reitpferdezuchten (einschließlich Trakehner!) heutzutage durchweg als “zu klein” bewertet. Interessanter Weise fand man offensichtlich auch schon in den Militärpferdezuchten in ganz Europa des 19ten und frühen 20ten Jahrhunderts, dass der Araber zwar ein hervorragender Veredler für ein Reitpferd ist, doch niemals wurden reine Araber als “Endprodukt Reitpferd” angestrebt, obwohl es für die Gestüte (Trakehnen, Tersk, Stavropol, Babolna, Pompadur usw.) ebenso möglich gewesen wäre, reine Araber zu ziehen, hätte man den Vollblutaraber  in seiner “Funktionalität” als Reitpferd dem Partbred als ebenbürtig oder überlegen betrachtet.  Interieur Der Charakter und die Arbeitsbereitschaft werden in den Warmblutzuchten viel zu wenig beachtet und getestet. Leider sind sportliche Erfolge mitnichten mit diesen beiden Punkten verbunden, da im Sattel dieser Sportpferde oft Profis sitzen, die für Geld schon mal Kopf und Kragen riskieren (müssen) und auch so manche Unannehmlichkeit im Charakter des Pferdes in Kauf nehmen (können).  Die "Genie-und-Wahnsinn-Pferde" sind im Spitzensport und damit auch im Deckgeschäft nicht unbedingt selten. Hier liegt die ABSOLUTE STÄRKE des arabischen Pferdes (bzw. hier könnte sie liegen), weil "Hochsprung" und "Beinchen hoch werfen" um jeden Preis EBEN GERADE NICHT das wichtigste Zuchtziel im letzten Jahrzehnt war. Leider hat die Zucht auf Typ und Schönheit und vor allem die Präsentation auf Schauen diesen Vorteil der Araberzucht in den entsprechenden Zuchtlinien verspielt, da auch dort der Charakter nicht entscheidend zum Erfolg nötig ist - im Gegenteil: Pferde, die sich leicht provozieren und hochheizen lassen, sind nicht selten die mit den besten Karten auf einer Schau, weil gewünscht ist, dass sich die Pferde dort "präsentieren" (panischer Ausdruck mit aufgerissenen Augen und aufgeblähten Nüstern wird auf solchen Veranstaltungen gern als “arabischer Typ” interpretiert). Manchmal fragt man sich, ob sich tatsächlich irgendein Showaraberzüchter/- besitzer einbildet, die so oft zitierten Krieger Mohammeds hätten ihre Kriege mit arabischen Pferden deshalb gewonnen, weil ihre Pferde so besonders gut ohne Reiter drauf verrückt spielen konnten. Hätten die Araber damals auf Showarabern gesessen, wäre der Islam vermutlich niemals zur Weltreligion geworden, denn Gerassel und lautes Geschrei von Feindesseite hätte ausgereicht, um die Krieger auf ihren Pferden außer Gefecht zu setzten. Wer schon mal gesehen hat, wie Showaraber sich im Showring gebärden (was für die Pferde mit Sicherheit nicht mehr Stressfaktoren bietet als ein Kriegseinsatz) , kann sich leicht denken, dass ein derartig manövrierunfähiges Pferd in einer Auseinandersetzung einen schnellen Tod für seinen Reiter bedeutet hätte. Auch ein heutiger Freizeitreiter vergisst bei einem kurzen Blick in eine beliebige Arabershow schnell den Wunsch, auf dem Rücken eines solchen (durchgedrehten) Pferdes sitzen zu wollen. Zum Glück gibt es aber innerhalb der Araberrasse auch Linien, die von der Showzucht völlig unangetastet geblieben sind und in denen sich die traditionell von Kavallleriepferden geforderten Interieureigenschaften wie Gehorsam (will to please), Leichtrittigkeit, Nervenstärke, Mut und Arbeitsbereitschaft auch heute noch finden lassen, wenn man denn weiß, wo man suchen muss. Arbeitsbereitschaft & Leistungsfähigkeit Warmblüter reiten ist anstrengend - zumindest sehr oft trifft dieses Urteil zu. Selbst unter Deckhengsten muss man lange suchen, bevor man einen findet, der nicht ohne massiven Sporeneinsatz vorgestellt wird. Man muss hinten schieben und vorne viel arbeiten, um so ein langes Geschoss irgendwie zusammenzustellen und dabei am Laufen zu halten, ohne dass die Hinterbeine im Dreck schlurfen (gibt natürlich auch Ausnahmen - schließlich gibt ja auch sehr blütige Warmblüter). Araber sind dagegenoft mit einem Hauch von Nichts zu reiten. Das ist ein absoluter Komfortvorteil, der viel zu wenig beachtet wird, weil der Hauch von Nichts bei einem unausgebildeten Pferd auch schnell nach hinten losgehen kann und Araber insgesamt zu wenig ausgebildet und geritten werden (wer nicht geritten wird, kann nicht zeigen, dass er leicht zu reiten wäre).  Leider werden unter arabischen Pferden nur sehr wenige dressurmäßig geritten, was eine Einschätzung ihrer potentiellen Rittigkeit unmöglich macht. Letztendlich ist es der Wille des Pferdes zu kooperieren, der ein wirklich gutes und leistungsfähiges Reitpferd ausmacht. Leider wird im Warmblutbereich der “Wille zur Kooperation” sehr oft mit der “Bereitschaft sich unterdrücken zu lassen” gleichgesetzt - was bei so manchem Warmblutreiter zu der Meinung geführt hat, Araber wären schwieriger zu reiten, weil sie sich eben NICHT gerne unterdrücken lassen bzw. bei solchen Versuchen deutlich mehr Gegenwehr auffahren, als die meisten Warmblüter. Einen Araber wird man schwerlich zu irgendetwas zwingen können, aber dafür hat man am Ende einer vielleicht längeren Ausbildung, ein Pferd, was wirklich von sicher aus kooperieren will. Solche Pferde sind arbeitsfreudig und können  im Sport durchaus auch Spaß und Ehrgeiz entwickeln - wenn das nicht sogar die Voraussetzung dafür ist, dass Pferde auch Spaß am Sport haben können. Deshalb hat die Arbeitsbereitschaft neben dem Charakter oberste Priorität - ein Pferd, was nicht von selbst vorwärts läuft, sondern mit Kraft geschoben und gezerrt werden muss, ist anstrengend und kein gutes Reitpferd. Die auch langfristige Erbringung von Leistung (was WEIT mehr ist, als eine Standard HLP der Warmblutzuchtverbände) ist auch bei der Zucht von Freizeitpferden sehr wichtig, da durch die Haltung in menschlicher Obhut die natürliche Selektion durch die Natur fehlt. Ob ein Pferd auch unter längerfristiger Belastung gesund bleibt, sagt sehr viel über dessen allgemeinen Gesundheitszustand, die Vitalität und Härte aus. Eigenschaften, die bei einem ungerittenen Pferd unter künstlichen Haltungsbedingungen schlicht nicht zu ermiteln sind. Da auch Freizeitreiter ungerne hohe Tierarztkosten haben und man sich auch nicgt ständig Sorgen um ein krankes Pferd machen möchte, sollten sie deshalb durchaus auf entsprechende Elterntiere achten, auch wenn sie selbst nie im Sport reiten wollen. Genetik, die zB einige Jahre auf der Rennbahn oder im internationalen Vielseitigkeitssport “gesund “überlebt hat, wird auch den Freizeitreiter mit harten (gesunden) Beinen und robuster Konstitution erfreuen können.
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