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Zur Zuchtgeschichte von orientalischen Pferden - den Vorfahren heutiger Araber Als "Orientalen" oder "Araber" sind im letzten und vorletzten Jahrhundert Pferde nach Europa importiert worden (z.B. von den Blunts und verschiedenen polnischen, deutschen und ungarischen Adeligen u./o. Gestüten), deren Wurzeln von den asiatischen Steppen über Mesopotamien bis hin zur arabischen Halbinsel reichen. Viele Armeen im Alten Orient, in Nordafrika und in Europa haben die Qualitäten dieser Pferden (oder Mischungen mit diesen Pferden) zu schätzen gewusst: Nervenstärke, Ausdauer, Härte, Arbeitswillen über die eigenen Leistungsgrenzen hinaus und eine große Menschbezogenheit. Heute ist aus diesen Pferden ein Pferdeschlag geworden der als Vollblutaraber bezeichnet wird und oft kaum noch etwas mit den ursprünglichen Importpferden zu tun hat. Keines dieser Tiere hatte einen sogenannten Dish oder das heute für Vollblutaraber oft übliche gazellenähnliche Fundament. Auch wenn man länger in historischen Fotos (!!!) sucht, wird man KEIN einziges Bild eines Beduinenpferdes finden, welches den Pferdetyp darstellt, den man heute landläufig auf Schauen  als reinen Vollblutaraber verkauft bekommt. Diese Pferde sind ein Kunstprodukt! Die europäische Schönmalerei des Orients im 19. Jahrhunderts hat Legenden und Bilder  vom "edlen Wüstenpferd" erschaffen, die sich sogar heute noch in den Köpfen vieler Araberzüchter befinden. Leider galt es lange Zeit als "chic" ein Pferd zu besitzen, was  ÜBERZOGEN  romantisch gemalten Pferdebildern damaliger (19.Jh.) Künstler möglichst nahe kommt. Aber erst HEUTE  ist die Vollblutaraberzucht an dem Punkt, dass die Zuchtprodukte teilweise bis an die Grenze zur Abartigkeit diesen völlig fiktiven Bildern entsprechen. Die realen Vollblutaraber aber, zeigten häufig einen edlen Reitpferdetyp, von dem europäische “Warmblutzuchten” (abgesehen vom Trakehner) seinerzeit (vor 1900) nur träumen konnten. Kuhailan Zain OA von den Wedi Ali Beduienen Kars OA von den  Fed`an Aneze Beduinen Shareer  aus Crabbet Park Saadun OA von  den Muntefik Beduinen Azrek von den Sba`a Beduinen Reitpferdemodelle aus der marokkanischen Wüste: Denoustee, der später in der französischen und russischen Leistungspferdezucht eine herausragende Rolle spielen sollte & ein Hengst aus dem Gestüt in Tiaret Reitpferdemodelle aus der polnischen Araberzucht aus der Zeit um den zweiten Weltkrieg: Ofir - ein bedeutender Gründer der russischen Leistungsaraberzucht und Halef, der nach dem Krieg in Deutschland Vererber war. Zu der Zeit, als die Europäer den "Vollblutaraber" in NORDARABIEN entdeckten, war die legendäre Hochzuchtperiode der Beduinenpferde in ZENTRALARABIEN schon 1300 Jahre Geschichte. Wer sich anschaut, wie sehr sich in Deutschland in ein und derselben Umwelt in nur 60 Jahren (1940 -2000) die Warmblutrassen verändert haben, weiß, wie absurd die Annahme ist, dass die im 19. Jh. nach Europa importierten Pferde auch nur entfernt etwas mit den "arabischen Legendenpferden" zu tun hatten, die im übrigen NIE ein Europäer zu Gesicht bekommen hat, weil um 600 n. Chr. kein Europäer in Zentralarabien gewesen ist! Interessant, dass man im 19. Jh. so genau wusste, wie denn diese Pferde ausgesehen haben sollen. Nordarabien bot den Pferden eine andere Umwelt als Zentralarabien. Laut Zeitzeugen wurde der "kleine häßliche (zentralarbische) Araber" dort (in Nordarabien) allerorts - auch von Beduinen - mit turkmenischen Pferden "veredelt", weil die Turkmenen "stärker und größer" als die Araber waren, und damit mehr der Nachfrage auf dem Pferdemarkt entsprachen und die Futterknappheit Zentralarabiens nicht mehr der limitierende Faktor (und damit höchstmöglich Futtereffizient erste Priorität) der Zucht war. Auch in Hinblick auf die zukünftige Zucht arabischer Pferde lohnt sich ein genauerer Blick in die Zuchthistorie - auf die Realität hinter den Legenden! Legende Nr. 1 Die Beduinen selektierten streng nach Typenfamilien Kuhaylan, Siqulawie, Muniqui usw. Urheber dieses Gerüchtes ist wohl hauptsächlich RASWAN, der 1952 schreibt: „Am Anfang gab es nur den Kuhaylan, eine alte Familie, gezüchtet von den Original-Wildpferden….“ (Raswan hat die völlig absurde These vertreten, dass es in Arabien einst Wildpferde gab und dass diese die Urahnen der Araberpferde waren). Auch SEYDEL(1934) behauptet: „Als Fundament der arabischen Vollblutzucht müssen wir die Kuhaylans betrachten.“  Fakt ist, dass das Wort Kuhaylan bis 1400 n. Chr. unbekannt war (Hochzuchtperiode um 600 n. Chr. !!!). Zum ersten Mal schriftlich erwähnt wurde das Wort Kuhaylan vom französischen Konsul in Haleb (Aleppo 1679 - 1686) als allgemeine Bezeichnung für einen reinen Vollblutaraber. Es  ist anzunehmen, dass die vielen Familien und Unterfamilien in der arabischen Pferdezucht relativ neuen Datums sind und  in Mesopotamien oder Syrien entstanden, da PALGRAVE 1862 dort von den Beduinen (Ruala und Sba`a) von den Zuchtfamilien hörte. Diese Einteilung war jedoch auch in dieser Zeit in Zentralarabien noch unbekannt. PALGRAVE schreibt dazu: „Als ich erst in diesem Distrikt (Nedsch= Zentralarabien) angekommen war, hörte ich nichts mehr von den Siklawi, Delhami und anderen Genealogien.“ Auch NOLDE (1895) schreibt: „Die hübschen Geschichten ohne historischen Hintergrund sind im Nedsch unbekannt“. LADY BLUNT (1881) bestätigt, dass diese Geschichten „von den Beduinen des Nedsch als Unsinn bezeichnet“ werden. WRANGEL (1966) sieht darin „eine für Europäer fabrizierte Kaffeehauslegende, an die kein gebildeter Araber glaubt.“ Da die Araberpferde damals (wie heute) bei weitem keine typeinheitliche Rasse waren, gab es natürlich verschiedene Typausprägungen. Aber sie waren und sind an keine Familie gebunden und man findet die drei extremen Typausprägungen auch in allen sogenannten Familien. Ein gutes Beispiel dafür ist der Hengst Kaisoon, ein Pferd, das im Siqulawityp steht, "offiziell" der Kuhaylanfamilie angehört  und  auch Muniqivorfahren hat. Legende 2: Die importierten "Araber"  waren "genetisch reine" Wüstenpferde, deren ellenlange Abstammung direkt zu Mohammeds Pferden zurückreicht Viele Quellen gehen davon aus, dass den Beduinen die Reinzucht sehr wichtig war. So behauptet z.B. KLYNSTRA (1978), dass eine asile Stute nur von einem asilen Hengst gedeckt werden durfte. Betrachtet man die Umweltbedingungen und den Zweck, für den die Araber damals gezüchtet wurden, ist jedoch sehr zu bezweifeln, ob die "Reinblütigkeit" eines Pferdes, die in keiner Weise dokumentiert werden konnte,  über dessen Leistungsfähigkeit gestellt wurde. Grundsätzlich sollte man den Begriff "asil", wie er damals wohl in Verwendung war - und eventuell von Arabern und Europäern völlig unterschiedlich verstanden wurde - einmal genauer betrachten.  Laut verschiedenen Quellen galten unter Beduinen nur Vollnomaden als asile Stämme. Die von ihren Weideplätzen verdrängten und am Rande der Wüste zu halbnomadisch lebenden Schafzüchtern oder sesshaften Ackerbauern gewordenen Beduinen, galten als nicht asil, obwohl sie genetisch gesehen auch auf (asile) Beduinen zurückgingen, also eigentlich genetisch betrachtet auch hätten “asil” sein müssen. Da andererseits  auch kleine Beduinenstämme in anderen Stämmen aufgingen (was diese nicht weniger asil  machte), ist anzunehmen, dass asil (blutrein) NICHT im genetischen Sinne verstanden wurde (vermutlich gab es damals nicht mal ein Wort für “genetisch”), sondern vielmehr eine verbindende Lebensweise beschrieb, die Angehörige eines Vollnomadenstammes adelte und untereinander verband. Dasselbe Maß der „asilen Familien“ legten die Beduinen wohl auch bei ihren Tieren (Windhunde, Kamele, Pferde) an. Viele europäische Autoren (Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts!) deuteten den Begriff asil allerdings im Sinne von genetischer Blutreinheit und reiner Rasse.  Da keiner dieser Autoren bestreitet, dass auch von anderen Stämmen erbeutete Pferde in der stammeigenen Zucht Verwendung fanden, ist eine genetische Mischung die logische Konsequenz. KLYNSTRA (1978) behauptet zwar, ein Pferd ohne Stammbaum wäre wertlos gewesen und deshalb hätte man auch seinen Feinden im Falle einer Eroberung die Stammbäume der erbeuteten Pferde überlassen, weil man auch selber bei der nächsten Eroberung kein wertloses Pferd erbeuten wollte. Diese Behauptung erscheint jedoch sehr fragwürdig, wenn man bedenkt, dass die Beduinenpferde Gebrauchspferde waren und nicht in großen Mengen vorkamen. Erbeutete ein Stamm im Krieg ein leistungsfähiges Pferd, das fähig war zu überleben (aber vielleicht keinen Stammbaum hatte oder der Besitzer, der ihn wusste schon tot war), wäre es doch sehr unwahrscheinlich, dass man die wertvolle Mangelware Pferd wegen eines fehlenden (mündlich mitgeteilten) Stammbaumes tötete. Wurde es dagegen am Leben gelassen, musste es auch gefüttert werden. Und wurde Futter in ein solches Pferd investiert, wurde es auch benutzt. Überlebte es lange genug, ist es im Falle einer Stute fast ausgeschlossen, dass es bei der herrschenden Pferdeknappheit nicht auch in der Zucht eingesetzt wurde. Zuchtverbände und ellenlange schriftliche Stammbäume sind europäische Errungenschaften. Keines der im 19. Jahrhundert exportierten Beduinenpferde hatte einen dieser legendären mündlich übertragenen Stammbäume zu bieten. Anstelle eines ihnen angedichteten Stammbaumes besaßen sie nur das kleine Prädikat d.b. (desert bred). Es ist also völlig absurd zu glauben, dass sich da seit Mohammeds Religionskriegen keine andere Genetik in die Araberpferde gemischt hätte, denn Gelegenheit dazu gab es mehr als genug. Mohammeds Religionskrieger kehrten mit persischen Pferden und Halbblütern aus dem Alten Orient nach Arabien zurück und viel später kamen im Zuge der Wahabitenkriege türkische und afrikanische Pferde mit den Eroberern nach Arabien. Man könnte dagegen halten, dass die extreme Umwelt Zentralarabiens ein strenges Selektionskriterium bei der Kreuzungszucht war. Doch kein Pferd Zentralarabiens hat jemals Europa erreicht. Die Orientalen, die nach Europa gelangten, kamen aus Regionen nördlich der Wüste Nefud, wo die Umwelt wesentlich pferdefreundlicher war und dort fanden Kreuzungszuchten im großen Stil über Jahrhunderte statt, da es im Alten Orient von fremden Pferderassen wimmelte. Im fruchtbaren Halbmond konnten auch die größeren Halbblüter ernährt werden und überleben. Warum sollte sich unter diesen Bedingungen ein Pferdetyp erhalten, der zwar in der Wüste Überlebensvorteile hätte, aber der das in einem fruchtbaren Land zur Verfügung stehende Futter nicht optimal umsetzen kann? LADY BLUNT fand 1878/79 bei den Schammar und Aneze bedeutend weniger asile als nicht asile Stuten (wie auch immer sie dies beurteilte) und auch UPTON (1873) berichtet von der Praxis der Kreuzungszucht zwischen Arabern und Turkmenen im Gebiet von Mesopotamien, Syrien und dem Irak bei den Beduinen.  Schon ab dem elften Jahrhundert wanderten viele Turkmenen in Syrien ein. Um 1400 kamen noch Tausende hinzu, die sich auf der Flucht vor den Mongolen in Syrien und Mesopotamien niederließen. VOLNEY (1788) und BERGGREN (1826) schätzen Anfang des 19. Jahrhunderts 30.000 turkmenische Nomaden zwischen Aleppo und Damaskus. Zu dieser Zeit waren die turkmenischen Pferde sehr beliebt. LAMARTINES schreibt: „Die Pferde der Scherif-Bei sind die schönsten Tiere, die ich jemals in Damaskus gesehen habe. Es sind turkmenische Pferde und stärker und größer als die arabischen Pferde“. Laut SCHIELE (1972) wurden von den Beduinen selbst arabische gegen turkmenische Pferde eingetauscht. Die Kreuzungszucht war also keine Einzelerscheinung mit einem Hengst bei einem Stamm (laut UPTON dem Stamm Salqa), sondern im ganzen Gebiet zwischen Aleppo und Damaskus an der Tagesordnung. Auch beschränkten sich diese Kreuzungen nicht auf Muniqiaraber und Turkmenen ( wie von Raswan angedeutet). Vielmehr wird in alle Araberfamilien eingekreuzt.  Die Kreuzungspartner sind neben Turkmenen auch die Pferderassen der anderen Völker im Alten Orient. Perser, Türken, Afrikaner, Kaukasier, Mongolen, Kurden, Luren, Turkmenen  sowie Tscherkessen und Tartaren sind mit ihren Pferden seit der moslemischen Eroberungen im 7. Jahrhundert dort eingewandert (SCHIELE, 1972). Diese Kreuzungen aus arabischen Hengsten und persischen, kurdischen und osmanischen Landstuten waren größer und kräftiger als die Araber aus südlicheren Gebieten und wurden von den Händlern als Militärpferde vorgezogen.Trotz dieser REALITÄT schreibt SEYDEL (1932): „Seit den Anfängen der arabischen Vollblutzucht ist nachgewiesener Maßen (wie er das wohl nachgewiesen hat????) bei den Kuhaylan jede Kreuzung vermieden.“ Für diese kühne Behauptung gibt es weder eine realistische Grundlage noch Beweise. Wer will denn wissen, wie und was die Beduinen über 1300 Jahre in der Abgeschiedenheit Arabiens ohne jegliche schriftliche Aufzeichnungen züchteten? Es gab nie einen historischen Punkt, an dem eine Zuchtbuch eröffnet oder geschlossen worden wäre. Da es auch aus dem 19. Jahrhundert KEINE schriftlichen Aufzeichnungen  zur Zucht der arabischen Pferde gibt, muss man wohl den Worten damaliger Pferdehändler (zu denen auch Raswan gehörte) Glauben schenken. Ob dies allerdings ein sicherer Nachweis ist, bleibt fragwürdig. Jeder moderne Araberzüchter, der in dem Glauben lebt, dass seine edlen Pferde ausschließlich auf die Wüstenpferde zentralarabischer Beduinen zurückgehen, sollte sich klar machen, dass diese Pferde nie exportiert wurden. Die Europäer kauften hauptsächlich im 19. Jahrhundert im Pferderassen-Schmelztiegel des Alten Orients ihre Pferde ein - die Haupteinkaufsmärkte waren in Aleppo und Deyr - im heutigen Syrien nahe der türkischen Grenze. Namen und Herkunft bekamen diese Tiere beim Verkauf durch den Händler oder Züchter, wie es heute noch in arabischen Ländern üblich ist. Wer nun glaubt, die Ägyptischen Araber sind eben doch die reineren und besseren, sollte gleich Legende Nr. 3 lesen! Legende Nr. 3 Die echtesten und reinsten Araber kommen aus Ägypten Auf den ersten Blick stellt sich dem laienhaften Betrachter sofort die Frage, wie denn die reinsten Araberpferde aus Ägypten kommen können (was ja nicht mal Arabien sondern Afrika ist)? Einem Land, dass während der Hochzuchtperiode in Zentralarabien noch oströmische Provinz war (640 - bis 642 von den Arabern erobert)? Und Kairo liegt ja auch nicht unbedingt gleich neben Medina. Tatsächlich war und ist die Haltung und Zucht der Araberpferde in Ägypten IN KEINER WEISE mit der Haltung und Zucht des Araberpferdes in Beduinenhand zu vergleichen! Ein genauerer Blick auf die Geschichte der Araberzucht in Ägypten ist geradezu ernüchternd. Was geschah mit der Pferdezucht Zentralarabiens nach der Zeit Mohammends? 661 n. Chr. trat Moawija an die Spitze des Kalifats. Unter ihm fand die Loslösung des Kalifats von Arabien und dem nomadischen Arabertum statt. Er verlegte die Hauptstadt von Medina nach Damaskus und begründete die Dynastie der Omajaden. 762 n. Chr. gaben die Abessiden Damaskus als Hauptstadt wieder auf und gründeten Bagdad. In der Folge verschmolzen arabische und persische Kultur und Bagdad wurde blühendes Zentrum von Kunst und Wissenschaft. Auch Pferde waren bei den Omajaden und Abessiden Teil dieser Kultur, was sich in häufig stattfindenden Rennen und Paraden zeigte. Kalif al Mahdi (755 - 785 n. Chr.) ließ die staatlichen Weidereservate in El Hasa (Zentralarabien) aufgeben. Von dieser Zeit an wurde der Pferdebedarf aus näher an Bagdad gelegenen Gebieten gedeckt. So fiel Zentralarabien und seine Pferde wieder in Vergessenheit und Isolation -  bis zur Zeit der Wahabiten ÜBER 1000 JAHRE SPÄTER!!!! Den Grundstock der ägyptischen Araberzucht legte vielleicht  schon der Mamelukensultan El Malik En - Nasir Ibn Kalaùn (Herrschaft in Kairo 1293 - 1341). Er kauft  Pferde aus dem Jemen, aus Bahrein und dem Irak. (SCHIELE, 1972). Nach seinem Tod 1341 hinterließ En Nasir  einen Pferdebestand von 4800 Pferden in Ägyptens Ställen. Wie diese Zucht sich weiterentwickelte ist nicht bekannt. Es ist aber nicht unmöglich, dass Teile davon erhalten blieben (wenn auch nur in Kreuzungen mit ägyptischen Landpferden) und die ägyptische Vollblutaraberzucht mitbegründeten. Interessant wäre auch ein genauerer Blick auf die sogenannten ägyptischen Landespferde. Da in Ägypten der Großteil der Bevölkerung schon immer sesshaft war, gab es nie eine Pferdezucht, die mit den Beduinenzuchten in Arabien vergleichbar gewesen wäre. Die sesshaften (!!!) Bauern benutzen bis heute Esel, Rinder und Kamele für jegliche Transportarbeiten und in der Landwirtschaft. Ägypten ist seit jeher durch den Nil - und somit reichliches Wachstum - geprägt (im krassen Gegensatz zu Zentralarabien). Pferdezucht und Nutzung lagen in Ägypten in den Händen der Oberschicht und waren deshalb sicherlich nie mit den ressourcenknappen Zuchten der zentralarabischen Beduinen zu vergleichen, die einer einer Umwelt des Mangels lebten. Erst 500 Jahre nach En Nasir werden wieder Pferde aus Arabien nach Ägypten importiert. Die Wahabiten (aus Zentralarbien) drangen im Krieg gegen das Osmanische Reich immer weiter nach Norden vor und plünderten 1801 Kerbela (Irak), 1806 Aleppo und 1808 Damaskus. Als sie auch noch Medina, Mekka und Dschidda eroberten, erhielt der ägyptische Pascha ( = Vizekönig ,1803 - 1848) Mohammed Ali vom osmanischen Sultan Machmut II den Auftrag, mit den Osmanen gegen die aufständischen Wahabiten zu kämpfen (Arabien war damals osmanische Provinz). Das führte dazu, dass die Ägypter 1812 das Hedschas mit Medina und Mekka eroberten. Dabei fielen ihnen die Pferde der besiegten Wahabiten in die Hände. 1813 kam es dann  zu einem Waffenstillstand, den der Sohn des Saud, Abdallah ibn Saud, wiederum um den Preis zentralarabischer Pferde aus den Gestüten der Wahabiten erkaufte. Diese Pferde gelangten nach Ägypten und bildeten dort zusammen mit dem einheimischen Pferdebestand (von dem niemand weiß, was für Pferde das waren - mit Sicherheit aber keine Beduinenpferde! - einen Tatsache, die von der “Asil- Fraktion” auch gerne verdrängt wird) den Grundstock der dortigen Araberzucht.1818 gelang es Ibrahim Pascha den Wahabitenfürsten Abdallah ibn Saud in der letzten Wahabitenfeste Derija endgültig zu besiegen. Von den 300 Beutepferden erreichte aber laut Raswan keines die Kairoer Gestüte, was ihnen viel Leid erspart hat. Für die Araberzucht mag der Verlust von Abdallah ibn Sauds hochwertigen Leibpferden ein Verlust gewesen sein - den einzelnen Pferden blieb jedoch das degenerierende Leben in den Ställen des ägyptischen Vizekönigs erspart. Die unsachgemäße Betreuung führten dazu, dass viele Pferde an der bewegungslosen Haltung und am fetten Futter der Ägypter kaputt gingen (ein MASSIV anderes Selektionskriterium als in den Beduinenzuchten ist damit etabliert!). Pückler beschreibt Mohammed Alis Pferdehaltung so: "Die ...Ägypter haben allgemein die schlechte Angewohnheit ihre Pferde mit allen vier Füßen zusammengefesselt vier, ja sechs Monate des Jahres draußen in fettem Klee angepflockt stehen zu lassen. Im Stall sind sie die übrige Zeit des Jahres ebenso gefesselt....werden mit Gerste und Stroh gemästet, ohne alle regelmäßige Bewegung..." Das Argument, dass es ja tolle Pferde gewesen sein müssen, die diese Katastrophe überlebt haben, ignoriert jedoch die Richtung der Selektion. Diejenigen wurden ausselektiert, die mit besonders wenig Futter auskamen, die besonders Bewegung und Freiheit gebraucht haben. Überlebt haben nicht die Pferde, die Entbehrungen ertragen und harte Leistungen erbringen konnten, sondern diejenigen, die die Langeweile ertragen haben, ohne verrückt zu werden und die trotz Überfütterung keine Rehe bekommen haben. Diese Selektion hat NICHTS mit der Selektion der Beduinen zu tun!!! Die vor 1818 erbeuteten und geschenkten Pferde, die in das Gestüt Schoubra des ägyptischen Vizekönige gelangten, wurden zu reinen Beuteobjekten in Gewahrsam des Vizekönigs. 1818 vereinigte Mohammed Ali 1100 Araberpferde in seinen Prunkstallungen, wo Pferdeliebhaber aus aller Welt diese Sammlung bestaunten, welche unter ABSOLUT KATASTROPHALEN BEDINGUNGEN gehalten und vermehrt wurde. JOHN, der 1836 Schoubra besuchte, beschrieb die Pferdehaltung so: „ Beide Vorderbeine werden mit einem Strick mit dem entsprechenden Hinterbein verbunden, so dass erstere weit unter den Körper gezogen werden, sowohl wenn das Pferd weidet als auch in Ruhe…. Die Beinfessel, die die Vorhand unter den Körper zurück zwängt, beeinträchtigt die natürliche Bewegungsfreiheit… und da sie schon sehr jungen Tieren angelegt wird, scheint es nicht unmöglich, dass sich dadurch die Schulter aus der natürlichen Stellung… verschiebt. Dies scheint mir der einleuchtendste Grund zu sein, warum in Ägypten die größte Zahl der Pferde couronierte (?) Knie hat. Im Stall bringen sie neben der kurzen Beinfessel noch zwei Stricke an, um den Kopf des Pferdes an die Decke, und zwei weitere um ihn an den Boden zu binden, zwei Stricke im rechten Winkel zu den Vorderbeinen befestigen das Pferd beidseitig an Pfosten oder an der Wand, während die Hinterbeine entweder an die Rückwand oder ein dickes Seil gebunden werden….“ Die Pferde wurden so ohne Boxenabgrenzungen gehalten, aber JOHN sieht auch Pferde in Einzelboxen so angepflockt, „…weil es die Gewohnheit so wollte.“ Die Ställe werden weiterhin als schmutzig und niedrig mit schlechter Luftzirkulation beschrieben. Die Stuten wurden dicht aneinander gedrängt (zehn Stricke pro Pferd), völlig bewegungslos gehalten. Die Fohlen waren von Ungeziefer bedeckt und hatten Druse und Rotz. Von 100 Stuten nahmen 50 oder 60 auf und viele verfohlten. Zwei Drittel der Fohlen starben bevor sie das Jährlingsalter erreichten. (FORBIS, 1980). 1820 standen in mehren Gestüten rund um Kairo1500 Vollblutaraberstuten. Aufgrund der Missstände wurde ein neues Gestüt erbaut, welches zwar baulich bessere Möglichkeiten bot, aber die Managementfehler nicht wettmachen konnte. Zwar kämpfte der französische Gestütsverwalter Zeit seines Amtes gegen Fesslungen und Zwangsruhigstellungen der Pferde, hatte dabei aber nur bedingt Erfolg. Oberst VYSE, der 1836 das neue Gestüt besuchte, fand zwar 110 Jährlinge in einem Hof ungefesselt, doch die erwachsenen Zuchtpferde waren noch immer im Stall angebunden (teilweise in Ständern ohne Beinfesseln). Zur Situation der Pferde im Stall schreibt VYSE (1836): „Die Tiere hatten nur die Futterkrippen vor sich und lebten demzufolge in einem Zustand konstanter Aufregung und Unruhe…viele der nervösen Pferde hingen im Halfter rückwärts und drohten den Anbindepfosten …herauszureißen…. Die Junghengste...werden hauptsächlich mit Strohhäcksel gefüttert und werden nur wenig oder gar nicht bewegt.“ Insgesamt bescheinigt VYSE dem neuen Stall aber einen „ weit besseren Zustand “ als dem alten Gestüt. Doch die Verbesserungsanstrengungen haben sich nicht durchgesetzt.  HAMONT, der das Gestüt von Mohammed Alis  Nachfolger Ibrahim Paschas besuchte, beschreibt, dass es  wie das alte Gestüt in Schoubra geführt wird. Wie dort wurden die Fohlen mit drei Monaten abgesetzt und schon zwischen sechs und zwölf Monaten an allen vier Beinen gefesselt. Die Zuchtbasis der Ägypter war zwar mit den erbeuteten Beduinenpferden aus Arabien sowie ägyptischen Landpferden vermutlich nicht unbedingt schlecht, aber die Verluste durch die schlechte Haltung und auch die daraus erwachsenden Selektionskriterien legen nahe, dass dort keine Pferde gezüchtet wurden, welchen mit den Pferden der Beduinen zu vergleichen waren und sind. Ein Pferdebestand, der über JAHRHUNDERTE unter solchen Bedingungen, ohne nennenswerte Leistungsanforderungen, rein nach den Exterieurvorlieben der Herrscher gezüchtet wurde, hat wohl wenig mit den Beduinenpferden zu tun, für die sie immer gehalten werden. Schon 1897 schreibt WILFRID BLUNT über die Pferde von Ali Pasch Sherif: „Die Zuchtstuten waren noch immer schön und mit allen Zeichen ihrer noblen Herkunft, doch aufgrund der langen Inzucht, und weil ihnen die harten Bedingungen des Lebens draußen fehlten, waren sie zerbrechlich und hatten wenig Substanz.“ Aufgrund der Schönheitsselektion der ägyptischen Herrscher  gilt der ägyptische Vollblutaraber widersinniger Weise als der arabischste unter den Arabern. So wurde z B. der Hechtkopf erst in Ägypten zum Markenzeichen eines typischen Arabers. Der heute so hoch bewertet „Typ“, der so, wie er heute verlangt wird, BEI KEINEM EINZIGEN der importierten Orientalen aus Beduinenhand zu finden war, wurde von den ästhetischen Vorlieben des Ali Pasch Sherif geprägt - und nicht etwa von den Beduinen oder der Wüstenumwelt! Der alte Orientale - das begehrte Militärpferd des Vorderen Orients und Nordafrikas wurde durch die wahnwitzige Zucht auf ein fiktives Schönheitsideal leider fast völlig vergessen. Noch findet man den alten Typ hin und wieder, doch auch in diesen Zuchtlinien ist die Gefahr der genetischen Erosion durch Leistungszucht auf nur wenige Merkmale ( z.B. Rennleistung auf der Kurzstrecke) oder durch den Veredlungswahn mit “Showtypen” gegeben. Zu guter Letzt noch Legende Nr. 4 Die 5 Stuten Mohammeds Aus den fünf Stuten Mohammeds, den Al Khamza, gingen angeblich die fünf Pferdefamilien hervor (die aus Legende Nr. 1). Doch unter den überlieferten Namen von Mohammeds persönlichen Pferden waren keine Stuten mit diesen Namen und insgesamt auch mehr Hengste als Stuten. Die Legende der Al Khamsa und auch die Unterteilung in die Pferdestämme (Siklawi, Kuhailan, Muniqui, Hadban, Hamdani, Obayan) ist erst Jahrhunderte nach Mohammed entstanden. Kein einziger Sekretär oder Biograph des Propheten, welche sonst jedes noch so kleine Detail aus dem Leben Mohammeds niederschrieben und eher etwas hinzufügten als wegließen, erwähnte die Al Khamsa oder auch nur einen Namen der Pferdestämme. (SCHIELE, 1972) Bei dem großen Wert, den man angeblich auf Abstammung und Ursprung legte, wäre es wohl undenkbar, dass diese Dinge nicht erwähnt wurden, hätte es die Zuchtstämme zu Mohammeds Zeit schon gegeben. In keinem der zahlreichen Bücher über Pferde aus dem 8. bis 10. Jahrhundert n. Chr. (von Al Asmai, Abu Obeide, Al Arabi, Mohammed, Hischam al Kelbi, Ibn Koteiban, Abu Dchaffar Mohammed, Abu l`Faradsch) sind die Al Khamsa erwähnt. Auch Abu Bekres erwähnt sie in seinem mehrbändigen Werk „El Naceri“ aus dem 14. Jahrhundert nicht.
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